Hans G. Schellenberger
Hans G. Schellenberger (* 27. März 1946 in Anrath; † 29. November 2007 in Steinwiesen) war ein deutscher Maler, Grafiker und Illustrator. Sein Werk zeichnet sich durch die Verbindung präziser Naturbeobachtung mit einer eigenständigen Bildsprache aus, die von detailreichen Darstellungen bis zu abstrakten Kompositionen reicht. Als Illustrator gestaltete er zahlreiche Kinder- und Jugendbücher.
Waldboden 6, Öl auf Leinwand, 2000, 80 × 100 cm. Vergrößerte Ansicht.
„Hans G. Schellenberger. Malerei. Graphik.“ Wellandgalerie Kirchner, Aalen-Dewangen, 2024.
Hans G. Schellenberger konserviert auf wunderbare, eindringliche Weise ein Stück scheinbar banaler, „verlorener“ Flora und bewahrt sie als behutsamer Chronist mit allen Reizen per präzisem Abbild, jedoch offenbar mit stillem Protest, vorm endgültigen Vergehen. So setzt er mit hochgradig erregter Sensibilität und großem Respekt vor dem unscheinbaren Detail auf Besinnung. Zum Beispiel entdeckt er sich ein Stück Waldboden, vertieft sich in das exakt Vorgegebene und ergründet die an sich chaotische Struktur, freilich immer mit dem Wissen um kalkulierte ästhetische Ordnungsprinzipien. Da wird dann raffiniert wählerisch eine völlig ungeordnete, sich offenbar rein zufällig ergebende Situation fixiert, um sie mit aller Detailschärfe und feinsten Nuancen zu einer künstlerischen Einheit anzurichten.
Er kostet die fotogenaue Brisanz kulinarisch voll aus und wandelt sie mittels Vergrößerung auf magische Weise in Übernatürliches. Dabei bleibt die Farbigkeit verhalten, doch werden die Tiefen ihrer Dunkelheit gesteigert, und sie driften dann ab in ein Andachtsschwarz, etwa wie wir es von den spanischen Barockmalern kennen. Und siehe: Das Chaos bekommt einen harten, aber doch elegischen Klang, und aus Hingewelktem, Abgestorbenem bricht zuweilen abrupt ein zaghaftes Dennoch-Grün. Also unverhoffter Sieg des Lebens in einer sich bereits dem Verfall hingebenden Welt.
Schellenberger suggeriert uns damit sanften Umgang mit Bestehendem und Vergehendem. Er zelebriert akribisch Naturzitate und arbeitet so gegen das Vergessen an. Kunst also als ultimatives Zeugnis von Existentiellem. Am Ende ist alles tiefsinnige Metapher, stimmungsvoll dargeboten verwandten Gemütern. Denn in jedem Kunstwerk wartet die Seele seines Schöpfers.
Und dann der konsequente Schritt zur Abstraktion, einer totalen Befreiung vom Gegenstand hin zur Kür ohne Abbildforderung. Auch wenn er große Flächen wie mit Musterteppichen überzieht, so ist es doch ein feinnerviges kalligrafisches Spiel mit Zeichen, die da flimmern und flirren. Und er nennt es „Choreografie“ und verweist damit einmal mehr auf das ästhetisch reizvolle Zusammenwirken von Linien, Formen und Farben. Er macht die Flächen „dicht“ und organisiert Details zu einem faszinierenden Superzeichen, das in tänzerischer Dynamik und Rhythmik changiert und schwingt. Er ist ein Modediktat unserer marktorientierten Gegenwartskunst mit Skepsis beobachtender Maler, der die Natur zum Anlass nimmt, um in aktionistischer Zeit auf das Unspektakuläre und zugleich auf Ewigkeitswerte zu verweisen.Dr. Maren Kroneck
„Hans G. Schellenberger. Malerei.“ Saale Galerie, Saalfeld, 2001, S. 7.
Schwäbische Post, 13. Oktober 2004, Seite 31. Vergrößerte Ansicht.
Choreographie für Sanspareil 2, Öl auf Leinwand, 2000, 80 × 100 cm. Vergrößerte Ansicht.
Hans G. Schellenberger war Buchillustrator von rund siebzig Kinder- und Jugendbüchern. Beispiel: „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe im Arena Verlag, 2013. Blick ins Buch.
Hans G. Schellenberger bei Wikipedia
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