Die Katze bringt die Staufer in die Spur

Hans Kloss’ Weg zum Stauferthema – Volles Haus bei der Eröffnung des "Gmünder Epos"

Große Dinge haben oft kleine Ursachen. Im Fall der am Sonntagabend in der Johanniskirche und der Grät eröffneten Ausstellung "Gmünder Epos" war es eine Katze. Die führte nämlich den Künstler Hans Kloss vor vier Jahrzehnten zum Thema Staufer hin.


VON KUNO STAUDENMAIER

Schwäbisch Gmünd. Vor mehreren hundert Gästen gab der Künstler Einblick in seine eigene "staufische" Entwicklung. Den Ausschlag gab in den späten 1960er-Jahren seine Katze, die von der Vermieterin in der Schmiedgasse nicht so gerne gesehen war. Grund für Kloss, das damals angebotene Schnellhöfle im Beutental zu kaufen.

Die Nachbarschaft zum Wäscherschloss bescherte ihm erste staufische Eindrücke, die ihn immer mehr faszinierten. Etwa die Überlegung, dass Irene von Byzanz nach ihrem Tod vom Hohenstaufen durch das Beutental direkt an seinem Grundstück vorbei zum Kloster Lorch gebracht wurde.Jahrzehnte später entstand das Stauferrundbild, das schon 700 000 Besucher ins Kloster Lorch führte.

Jüngstes Werk ist das "Gmünder Epos", die Stadtgeschichte in Bildern. Kloss habe in vierjähriger Arbeit für das "Gmünder Epos" den Bogen über 1000 Jahre Geschichte gespannt, sagte Oberbürgermeister Richard Arnold. Die Art der Erzählungen in den großformatigen Werken erinnere ihn immer wieder an den Maler Pieter Bruegel, dessen Bilder ihm in Brüssel häufig begegnet seien. "Gmünd hat mit Hans Kloss nun den schwäbischen Bruegel", so Arnold.

Die 16 Bilder in der Grät am Marktplatz erzählten Geschichten über die Geschichte, "eigentlich ist da ein Hans-Kloss-Museum entstanden". Der Oberbürgermeister freute sich über die Ausstellungsvielfalt, die Schwäbisch Gmünd an einem einzigen Wochenende erlebe, die Präsentation im Museum im Prediger zur Stadtgründung 1162, die Wegtafeln des Stadtarchivs, die Stadtgeschichte unter freiem Himmel erlebbar machen und die Ausstellung in der VHS über die Geschichte von 1933 bis zur Gegenwart bis hin zum neuen Schulmuseum im Klösterle.

Hausherr und Münsterpfarrer Robert Kloker war angetan über so viele Menschen in der Johanniskirche, die durch ihren staufischen Hintergrund auch der richtige Ort für diese Ausstellungseröffnung sei. Der Künstler habe im "Gmünder Epos" immer wieder den Nerv einer Zeit getroffen, die geprägt war von Auseinandersetzungen zwischen kirchlicher und weltlicher Macht. Als künstlerische Freiheit wertete der Kloker die Darstellung des Papstes als Teufel, am Rand des Bildes, das den letzten Stauferkaiser Konradin vor der Johanniskirche zeigt. Hintergrund war, dass Papst Urban IV. den Staufern den Todesstoß versetzt hatte.

Staufische Bezüge stellte auch Harald Immig her, mit Liedern zum Thema. Und weil’s so schön war, durften am Ende alle mit Immig singen, viele Gäste hatten den Text zu "Kein schöner Land in dieser Zeit" parat. Die schöne Ausstellung dazu gab’s im Anschluss, immer der Reihe nach, denn nur ein Teil der Besucher hatte in der Grät gleichzeitig Platz.

Quelle: Gmünder Tagespost 13.5.2012 - www.gmuender-tagespost.de


Wo trägt der Hirsch den Ring?

Schwäbisch Gmünder Epos mit Werken von Hans Kloss

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das Sprichwort könnte für das Gmünder Epos, die Stadtgeschichte in Bildern von Hans Kloss, geschaffen worden sein. Detailverliebt erklärt der Künstler die Historie. Am Sonntag, 13. Mai, wird die Ausstellung eröffnet, mit einem kleinen Festakt um 17.30 Uhr in der Johanniskirche.


VON KUNO STAUDENMAIER

Schwäbisch Gmünd. Ausstellungsort ist die Grät, Schwäbisch Gmünds ältestes Gebäude. 16 großformatige Werke geben der Gmünder Geschichte ein Gesicht. Im Jubiläumsjahr darf der Staufer Konrad III. nicht fehlen. Mit ihm, der von 1138 bis 1152 römisch-deutscher Regent war, der wohl Schwäbisch Gmünd 1162 das Stadtrecht verliehen hatte, beginnt der Ausstellungsrundgang.

Gleich daneben das Gemälde von der Ringsage, die mit der Stadtgründung zu tun haben soll. Herzogin Agnes, die bei der Jagd ihren Ehering verloren hatte, will an dem Ort eine Kirche bauen lassen, an dem der Ring gefunden wird. Ein Jäger entdeckte den Ring am Geweih eines Hirsches. Der Vorläuferbau der Johanniskirche könnte so entstanden sein.

Fast ein Monumentalwerk ist die Darstellung der gescheiterten Reformation in Schwäbisch Gmünd. Hans Kloss plaudert besonders gerne darüber, weil das Bild viele versteckte Aussagen enthält, weil die Zeit richtungsweisend für die Stadt war. Es zeigt den Sitzungssaal des alten Rathauses, die Fenster sind zum Marktplatz geöffnet. Dort werden gerade die Wiedertäufer zur Hinrichtung geführt. Auf den anderen Seite zieht Reformator Andreas Althamer in Gmünd ein, der nach dem Scheitern der Reformation nach Wittenberg flieht. Am Tisch im Ratsaal ein Vertreter der Habsburger, die Gmünd gegen die Reformation unterstützen.

Die Neuzeit kündigt sich mit einem Bild an, das die Stadt 1861 zeigt, die erste Eisenbahn fährt in Gmünd ein, im Hintergrund der Salvator auf einem Anhang ganz ohne hohen Bewuchs.

Im letzten Bild hat sich der Künstler selbst verewigt, beim Gmünder Kunstmarkt 1969 auf dem Johannisplatz. "Wir haben damals provoziert, die ältere Generation war schockiert", erinnert sich Kloss. Mit dabei damals schon Eckhart Dietz, Ed Sommer, Walter Giers und Edith Wahlandt, aber auch die Größen der Lokalpolitik, die die Gmünder Kulturrevolution mehr oder weniger skeptisch verfolgen.

Hans Kloss, der sich schon bei der Entstehung des Stauferrundbilds intensiv mit der Geschichte auseinandersetzte, zeigt sich auch als Kenner der Stadtgeschichte. "Ich war ja nicht dabei, muss nicht nur erzählen, sondern die Szenen darstellen, das geht nicht ohne Fantasie", sagt er.

Wer davor steht, ist sich fast sicher: so muss es damals gewesen sein, beim Bau des Münsters, während der Zeit der Pest, während der Blütephasen im Barock. Das Gmünder Epos wirkt authentisch, weil der Künstler auf Inhalte setzt, Ratsherrn und einfaches Volk zeigt, Straßen und Plätze zum Leben erweckt.

Die Idee dazu hatte Kloss schon vor acht Jahren, 2009 legte er los, mit dem Segen der Stadt, des Kulturbürgermeisters Joachim Bläse und des Oberbürgermeisters Wolfgang Leidig. 25 Themen hat er sich gestellt, oft bis in die Nacht gemalt. Und er hat dafür gekämpft, dass die Bilder nicht nur Dekoration in Amtsstuben werden, sondern dass alte Amtsstuben den Wandel zu Museumsräumen schaffen.

Mit der Ausstellungseröffnung am Sonntag ist das Gmünder Epos nicht abgeschlossen. "Es ist noch lange nicht fertig, es gibt noch jede Menge zu tun", sagt der Künstler. Wer ihn kennt, weiß, dass das ernst gemeint ist.

Quelle: Gmünder Tagespost 9.5.2012 - www.gmuender-tagespost.de


Ausstellung ab Mai 2012

Geschichten aus der Geschichte

Für das Stadtjubiläum hat Hans Kloss in drei Jahren 16 Großbilder geschaffen

Staufersaga, Ritterturnier, Mittelaltermarkt - dass Gmünd so spektakulär seine erste Erwähnung als Stadt vor 850 Jahren feiert, das spricht sich inzwischen herum. Ist aber längst nicht alles, was die Bürger und ihre Gäste in diesem Festsommer erwartet. Denn drei Jahre im stillen Kämmerlein ist noch ein gigantisches Projekt gewachsen: Hans Kloss malte 16 Bilder zur Stadtgeschichte. Bislang.


VON ANKE SCHWÖRER-HAAG

Schwäbisch Gmünd. Ausgelöst hat diesen Großauftrag sicher das Stauferrundbild, das der 73-Jährige im Kloster Lorch gemalt hat. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse habe nicht lange fragen müssen, erinnert sich der gebürtige Schlesier, der heute in Lorch lebt, Gmünd aber als seine geistige Heimat betrachtet. Mit Malerei Geschichten zu erzählen aus der Geschichte dieser Stadt - dieser Verlockung konnte Kloss nicht widerstehen.

Also hat er sich noch tiefer in die Historie eingegraben, als er ohnehin aus eigenem Interesse drinsteckte. Dann hat er sich in das Atelier zurückgezogen, das Gmünd ihm in der "Grät", dem heute ältesten Rathaus der Stadt, zur Verfügung gestellt hat. Auf metergroßen Leinwänden wuchsen Werke, die jedes für sich einen Abschnitt der Stadtgeschichte aus vielen Facetten aufarbeiten.

"Ich war ja nicht dabei, deshalb male ich meine Deutung der Geschichte", räumt Kloss zum Beispiel beim riesigen Epos über die gescheiterte Reformation in Schwäbisch Gmünd ein. Das Bild zeigt etwa den Reformator Andreas Althammer mehrfach - nicht nur in bedeutsamer kirchenpolitischer Mission, sondern auch auf Freiersfüßen. "Der Kirchenmann hat nämlich ebenso wie Martin Luther später geheiratet", hat Kloss recherchiert.

Ganz anders ist das bei den Werken, die die jüngere Gmünder Geschichte darstellen: beim Kunstmarkt 1969 zum Beispiel. "Da war ich dabei, das musste einfach raus", erzählt er begeistert von den Jahrzehnten, in denen sich die Gmünder Kunstszene politisch vehement engagiert habe. "Damals haben wir Hansludwig Scheffold als OB-Kandidaten angeworben, weil sein Vorgänger für die Künstler kein offenes Ohr hatte und kein Gefühl für die baulichen Schätze in der Stadt."

In seiner Begeisterung blickt Kloss auch schon über die Präsentation der vorhandenen 16 Bilder (vom 13. Mai bis September in der Grät; der Ausstellungskatalog ist gerade im Werden) hinaus: "Ich bin zwar fertig", sagt er - "aber es gibt noch so viele gute Themen. Die Industrialisierung. Die Zeit der Flüchtlinge. Die Raketenstationierung auf der Mutlanger Heide." Der Künstler ist sicher, dass da noch manches Bild drin ist.

Themen weiterer Bilder

  • Die Gmünder Ringsage, die zum Bau der Johanniskirche geführt haben soll.
  • König Konrad III. blickt ins Tal auf die damals noch kleine Siedlung Gmünd, die am Zusammenschluss von Rems und Josefsbach liegt.
  • Die Legenden von den Heiligen Drei Königen. Ein Sarkophag mit deren Gebeinen soll Station in der Stadt gemacht haben.
  • König Konrad vor der Johanniskirche.
  • Das Schicksal der Stauferkönigin Irene.
  • Die Schlacht von Waldstetten.
  • Das alte Rathaus, das so riesig war, dass es den gesamten unteren Marktplatz eingenommen haben soll.
  • Neubau der Stadtpfarrkirche 1315-1410, die heute das Gmünder Münster ist.
  • Die Apokalypse - Gmünd im 16. Jhd.
  • Das Aussätzigenspital St. Katharina - ein Kirchenraum vor den Toren der Stadt, gestiftet 1356.
  • Das Jugendstilstadtbad - 1901 von Bürgermeister Möhler gebaut, 1974 eingeebnet. "Eine Schande und ein großer Fehler", findet Hans Kloss.
  • St. Salvatorin frühen Zeiten der Industrialisierung. Die Anlage steht am damals unbewaldeten Hang. Außerdem ist darauf die erste Eisenbahn zu sehen, die von Stuttgart nach Aalen fuhr.
  • Die Gmünder Goldschmiede - ein Blick in Werkstätten und Ladengeschäfte.

Quelle: Gmünder Tagespost 16.1.2012 - www.gmuender-tagespost.de


Schwäbisch Gmünder Epos